Update, 21. Jul
Drei offene Relevanz-Fragen zur aktuellen finnischen „Sauna Steam“- Studie:
1. Bekommt die relative Luftfeuchte in der „Trockensauna“ künftig mehr Bedeutung durch kurzzeitige (automatisierte) Dampfstöße?
2. Welcher noch nachzuweisende gesundheitliche Mehrwert – im Vergleich zur bisherigen Praxis in Deutschland – ließe sich damit erzielen?
3. Ergeben sich auch konkrete Empfehlungen für die hiesige Aufgusspraxis im Alltag und bei speziellen Events?
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TOP: Wissenschaftliche „Sauna Steam“- Studie aus Finnland rückt in den Fokus – Haben Aufgüsse einen positiven Extra-Effekt auf Herz und Kreislauf? – Replik von PD Dr. med. Rainer Brenke, Berlin
Nähere Informationen und Kontakt:
Studie als PDF: https://www.tandfonline.com/doi/pdf/10.1080/23328940.2026.2698162
https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/23328940.2026.2698162
https://www.jyu.fi/en/news/research-steam-increases-physiological-strain-during-sauna-bathing
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Update, 21. Jul
Haben Aufgüsse einen positiven Extra-Effekt auf Herz und Kreislauf?
Erste Replik auf den Artikel im Magazin nordisch.info von PD Dr. med. Rainer Brenke
Kürzlich erschien im Magazin nordisch.info eine Zusammenfassung einer Arbeit von Lida Laatikainen-Raussi von der finnischen University of Jyväskylä, die sich mit der Bedeutung von Aufgüssen beschäftigte, Nach Meinung der Autorin stellen diese bisher einen blinden Fleck in der Saunaforschung dar. Eine der Schlussfolgerungen ist, dass die Aufgüsse keine bloße Zugabe zur Hitze sind, sondern als eigenständiger Faktor Herz und Kreislauf messbar stärker fordern als nur die Hitze.
Untersucht wurden 50 gesunde Erwachsene. Der Puls stieg von durchschnittlich 79 auf 121 Schläge in der Minute an. Der Anstieg hing sowohl von der Temperatur als auch von der Luftfeuchtigkeit ab, was nicht verwundert. Die Temperaturregulation durch Schwitzen funktioniert bei erhöhter Luftfeuchtigkeit nicht mehr optimal, wodurch auch die Körperkerntemperatur um vier Zehntel anstieg.
Es wurde die Frage aufgeworfen, ob die Sauna nicht wie ein körperliches Training im Sitzen wirken könne. Dabei wurde eine finnische Arbeit aus dem Jahr 2015 zitiert, wonach diejenigen, die häufiger und öfter in die Sauna gingen, länger lebten und während 20 Jahren seltener an einem akuten Herztod starben. Es wurde aber gleich eine wichtige Einschränkung gemacht: Man weiß nicht, warum das so ist. Es könnte z.B. auch daran liegen, dass die Zuordnung zu den Gruppen nicht randomisiert erfolgte und es auch sein kann, dass Gesündere häufiger in die Sauna gehen, dass also Ursache und Wirkung umgekehrt sind, wie ursprünglich angenommen.
Die Autorin vermutet, dass der Aufguss wesentlich zur Wirkung der Sauna beiträgt, was sich von der ärztlich vertretenen Meinung in Deutschland unterscheidet. Hier weiß man zwar, dass Aufgüsse sehr beliebt sind, was aber vorwiegend an ihrem Event-Charakter und den Zeremonien, also einem psychologischen Aspekt, liegt. Die Belastung durch die Aufgüsse wird von den Finnen mit 60 bis 100 Watt angegeben, was etwas über den von der damaligen Arbeitsgruppe der Berliner Charité publizierten Werten liegt.
Im Hinblick auf medizinisch relevante Wirkungen auf den Körper wird der Aufguss als entbehrlich angesehen. Die immer wieder zu hörende Aussage, dass man bei dem Aufguss besonders gut schwitzen kann, ist in zweierlei Hinsicht falsch, denn erstens sind das Schwitzen und die Verdunstung bei der beim Aufguss erhöhten Luftfeuchtigkeit behindert und zweitens stammt die Hälfte der Feuchtigkeit auf der Haut nach dem Aufguss nicht vom Schweiß sondern ist kondensiertes Wasser aus der feuchten Luft.
Aus Sicht des Verfassers dieser Zeilen stellt der Aufguss durch seinen mitunter sehr starken Hitzereiz eine deutliche zusätzliche Belastung des Körpers und speziell des Herz-Kreislauf-Systems dar, was die Anwendung bei vielen nicht so gut belastbaren Herz-Kreislauf-Patienten einschränkt und weitgehend nur für Gesunde empfohlen werden kann.
Die Schlussfolgerung, dass ein höherer Herzfrequenzanstieg auch mit einem größeren Trainingseffekt verbunden ist, lässt sich so nicht nachvollziehen. Wer messbaren Leistungszuwachs will, muss sich körperlich trainieren, was die Sauna aber nicht leisten kann. Die u.a. für das Muskelwachstum zuständigen Myokine weisen nach Training ein ganz anderes Spektrum als nach der Sauna auf. Dafür wirkt die Sauna auf Regulationssysteme, die Durchblutung, Abwehr, das vegetative Nervensystem und vieles andere. Gut wäre deswegen eine Kombination aus Sport und Sauna, allerdings mit deutlichem zeitlichen Abstand, am besten an unterschiedlichen Tagen.
Positiv zu sehen ist die Forderung, dass man in der zukünftigen Saunaforschung den Aufgüssen mehr Beachtung schenken sollte, wenngleich zumindest in Deutschland viele positiv wirkenden gesundheitlichen Effekte bei einer Saunanutzung ohne Aufgüsse beschrieben wurden.
PD Dr. med. Rainer Brenke, Facharzt für Innere und Physikalische Medizin, u.a. ausgewiesener Sauna-Experte durch jahrzehntelange medizinwissenschaftliche Forschung, lebt in Berlin.
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SISU, 18. Jul: „Sauna-Aufguss bringt das Herz auf Touren, während der Mensch stillsitzt“ – Sportwissenschaftliche Studie aus Finnland behauptet Trainingseffekt







